Evangelische Kirchengemeinde

Wächtersbach

Geschichte der Gemeinde Wittgenborn

Geschichte der Kirchengemeinde Wittgenborn

 

 

 

1470

Wittgenborn hat lediglich 5 Haushalte und

gehört zur katholischen Pfarrei Sankt Gangolf in Hitzkirchen

1524

In Spielberg wird die Kapelle Sankt Jakobs eingeweiht.

Sie gehört zur Pfarrei von Hitzkirchen.

1543-45

Einführung der Reformation und des lutherischen Bekenntnisses in den Orten der Grafschaft Ysenburg.

Wittgenborn wird Filialgemeinde der Kirchengemeinde Wächtersbach.

1585

Graf Wolfgang zu Ysenburg tritt zum reformierten Glauben über. In allen 12 Kirchspielen der Grafschaft wird der reformierte Glaube eingeführt.

Die zum Teil noch aus katholischer Zeit verwendeten Messgewänder werden abgeschafft. Bilder und Statuen von Heiligen werden aus den Kirchen verbannt. Auch Kruzifix und Altäre werden herausgeräumt. Ein einfacher Holztisch mit schwarzem Tuch, ersetzt die oft aufwendigen Altäre.

Auch bei Beerdingen findet nun eine kirchliche Feier bzw. Andacht statt.

Einführung eines Presbyteriums

1595/96

Errichtung einer ersten Kirche in Wittgenborn

1596

Heinrich von Ysenburg kehrt zum lutherischen Bekenntnis zurück.

1601

Nach dem Tode Heinrichs von Ysenburg kehrt man endgültig zum reformierten Glauben zurück.

1624

Wittgenborn wird im Laufe des 30-jährigen Krieges von spanischen Truppen unter General Spinola stark verwüstet.

Die Kirche wird stark beschädigt.

1630

Die Pest bricht im Dorf aus. Jeder vierte Einwohner fällt der Pest zum Opfer.

1656

Bitte der Kirchengemeinde an Johann Ernst zu Ysenburg um Gewährung einer Beisteuer zur Instandsetzung der zerstörten Kirche

1658

Elschen Buss und Gela Schilling aus Wittgenborn werden als Hexen verfolgt. Den beiden Frauen wird in Gelnhausen der Prozess gemacht Sie sterben an den Folgen der Folter.

1699

Waldenser, Glaubensflüchtlinge aus dem französisch -italienischen Grenzgebiet der Alpen siedeln sich in Waldensberg an. Den neuen  Nachbarn wird erlaubt die Kirche in Wittgenborn mit zu benutzen.

 

 

 

1712-20

Wittgenborn hat einen eigenen Pfarrer: Johann Melchior Kaup. Er ist gleichzeitig Lehrer in Wittgenborn. Aus dieser Zeit stammt auch ein Abendmahlskelch, – hier ist die Jahreszahl 1717 eingraviert. Im Jahr 1720 wird die Pfarrei wieder aufgehoben und Pfarrer Kaup wird 2. Pfarrer in Wächtersbach.

1741

Es wird der Entschluss gefasst eine neue Kirche zu bauen.

1742

Die alte Kirche wird abgerissen und mit den Neubau an gleicher Stelle begonnen.

1777

Unter Graf Ferdinand Casimir von Ysenburg wird der Kirchenbau abgeschlossen.

Die Kirche ist nach reformierten Grundsätzen erbaut - in einer strengen Form und schlicht. Es ist eine Predigerkirche – alles ist auf die Kanzel und den Altartisch ausgerichtet.

1818

Die Hanauer Union wird vollzogen. Die verschiedenen evangelischen Kirchengemeinden – gleich ob Lutheraner, Reformierte oder Waldenser – werden im Gebiet des heutigen Main-Kinzig-Kreises zu einer evangelischen Kirche vereinigt.

1819

Die Gemeinde erhält eine zweite Glocke. Auf ihr ist zu lesen: „Es goss mich Gebrüder Bartels in Frankfurt 1819 der Gemeinde Wittgenborn“. Und weiter ist zu lesen „J. SALOMON, H.SCHULTHEIS, G. ECKERT, L. KNOTH, GEORG, DIETZ“. Es handelt sich hier dem Anschein

nach um die Stifter. 

1855

Das evangelische Konsistorium in Hanau teilt der Kirchengemeinde Wittgenborn mit, dass sie von Wächtersbach getrennt und dem Kirchspiel Spielberg unterstellt wird. Diese Neuordnung wird in Wittgenborn nicht freudig aufgenommen. Man will unter keinen Umständen ins Kirchspiel Spielberg eingegliedert bzw. ihm unterstellt werden. Gemeinderat und Gemeindeausschuss unter Bürgermeister Blos legen Widerspruch gegen die Anordnung des Konsistoriums ein. Am 10. Mai 1855 wird eine mehrseitige Resolution von Wittgenborner Seite verfasst.

1857

Am 3. Juli wird die Kirchengemeinde Wittgenborn in das Kirchspiel Spielberg eingegliedert.

Von Wittgenborner Seite kann man lediglich durchsetzen, dass jede 2. Woche ein Gottesdienst in der Wittgenborner Kirche gehalten wird.

1893

Am 29. April löst die politische Gemeinde Wittgenborn eine Reallastpflicht der Einwohner an die Pfarrei Spielberg ab. Bisher waren die Einwohner verpflichtet der Pfarrei Spielberg jährlich so genannte „Ostereier“ zu liefern.

Jetzt übernimmt die Gemeinde unter Bürgermeister Wilhelm Eckert diese Pflicht und zahlt der Pfarrei vierteljährlich 25 Mark. 

 

1908

Am 22. April wird der neue Friedhof in Gebrauch genommen. Marie Wilhelm, Frau des Fabrikarbeiters Ferdinand Wilhelm ist die erste, die auf dem neuen Friedhof beerdigt wird. Rund um den Friedhof wird eine Fichtenhecke angelegt. Allerdings ist der Sommer 1911 so trocken, dass die Hecke vertrocknet. 1913 wird sie durch eine neue Hecke ersetzt.

1912

Gründung des ersten Kirchenchores unter Leitung von Lehrer Hempel

1916

Mitten im Krieg wird die Kirche ihrer zweiten und größten Glocke beraubt. Es ist dieselbe, die 1819 in wirtschaftlich schwerer Zeit der Gemeinde gestiftet wurde. Sie wird zu Kriegsgerät verarbeitet.

1933-45

Nationalsozialismus

Anfangs unterstützen noch Teile der Kirchengemeinde und der Pfarrer diese neue Bewegung. Der Nationalsozialismus ist geprägt von Germanenkult und Nordischer Rasse. Neue Feier – und Festtage werden eingeführt. Es gibt jetzt Sonnenwendfeiern und ständig wird mit Umzügen und Aufmärschen an irgendwen oder irgendetwas erinnert. Die NS – Ideologie wird zur Ersatzreligion aufgebaut. Mitglied der Kirche zu sein, kommt für die strengen Anhänger nicht mehr in Frage. Es kommt in Wittgenborn zu einer Reihe von Kirchenaustritten. Einige Kinder werden nicht mehr konfirmiert. Es finden auch Beerdigungen ohne Pfarrer statt. Kirchgänger werden verhöhnt oder ausgelacht. Eifrige Mitglieder der NS-Frauenschaft notieren sonntags die Namen der Gottesdienstbesucher. 2 Mitglieder unserer Kirchengemeinde werden aufgrund ihrer jüdischen Abstammung aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Die beiden Frauen werden ins Konzentrationslager deportiert. Sophie Knoth stirbt dort.

Der Nationalsozialismus mündet in den 2. Weltkrieg an dessen Ende aus Wittgenborn 44 Männer ihr Leben lassen müssen.

1949

Friedel Saamer, Frau des Pfarrers Albert Saamer gründet einen Kirchenchor.

1950-61

Theophil Hoffmann ist Pfarrer der Kirchengemeinde. Er versucht während seiner Amtszeit alle Amtshandlungen in die Kirche zu verlagern. Bisher war es oft üblich, dass Trauungen nicht in der Kirche, sondern im Pfarrhaus stattfanden. Auch Taufen wurden meistens im Hause der Eltern durchgeführt und nicht in der Kirche.

Während es bei Trauungen gelingt sie fortan nur noch in der Kirche durchzuführen, ist es bei Taufen noch bis Anfang der 60er Jahre üblich diese auch im Elternhaus vorzunehmen.

1961-1966

Pfarrer August Grefe aus Waldensberg hat die Vakanzvertretung für Wittgenborn.

1966

Pfarrer Wolfgang Derreth tritt seinen Dienst an.

1967

Die Kirche wird komplett renoviert. Sie wird von außen verputzt. Das ursprüngliche Bruch- bzw. Feldsteinbauwerk verschwindet. Im Inneren wird die Tür zur Nordseite hin geschlossen. Neue Kirchenbänke werden angeschafft und diese weiter nach vorne zum Altarraum gezogen.

Die hinter dem Altar und unter der Kanzel angebrachten Bänke werden  entfernt. Außerdem werden die Empore, die Kanzel und auch die neuen Bänke farblich angelegt. Auch wird eine elektrische Läuteanlage installiert.

Die alte Orgel wird zerstört und durch eine neue ersetzt.

1969

Eine Trauerhalle wird errichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Toten immer zu Hause aufgebart. Auch die Trauerfeiern nahmen im Hof und vor dem Haus der / des Verstorbenen ihren Anfang. Dies wurde mit Fertigstellung der Trauerhalle auf den Friedhof verlegt.

1972

Bei Pfarrer Paul Finkenauer, der seinen Dienst im Kirchspiel antritt, nimmt die Arbeit mit Kindern – Kindergottesdienst, Jungschar und Freizeiten – einen großen Stellenwert ein. In dieser Sache wird er von seiner Frau unterstützt.

Er führt in Wittgenborn einen zweiten Gottesdienst am Heiligabend ein. Um 10.00 Uhr abends gibt es jetzt noch eine Christmette.

1980/81

An die Kirche wird angebaut. Ein Gemeinderaum, eine Teeküche und auch sanitäre Anlagen werden geschaffen. Eine Zentralheizung wird eingebaut. Die alten Öfen verschwinden aus der Kirche. Mit dem Anbau wird ein Raum für die Gemeindearbeit geschaffen. Außerdem soll erreicht werden, dass man bei großen Gottesdiensten – zur Konfirmation und an Weihnachten – mehr Platz in der Kirche hat.

1985

Pfarrer Volker Wendland tritt seinen Dienst im Kirchspiel an.

1993

Die Kirche wird erneut renoviert. Dieses Mal wird vor allem die Turmhaube und das Dach erneuert. Die Turmuhr und Läuteanlage wird nun mittels Funkuhr elektronisch gesteuert. Die Orgel wird auf die Seitenempore versetzt.

2003

Im Rahmen der Dorferneuerung wird der Platz vor der Kirche neu gestaltet.

2006

Vier Fenster der Kirche werden restauriert.

2009

Die zwei Fenster im Altarbereich werden durch den Künstler Jakobus Klonk aus Wetter bei Marburg künstlerisch gestaltet und in einem Festgottesdienst am 4. Advent 2009 eingeweiht. Die Fenster stellen die beiden Sakramente, Taufe und Abendmahl, dar.

 

 

 

2011

Am 1. August 2011 wird Wittgenborn wieder Teil der Kirchengemeinde Wächtersbach. Zuvor hatten die Kirchenvorstände von Wächtersbach und Wittgenborn im April 2011 einen Vertrag zur Fusion beschlossen und einen Antrag auf Fusion beim Landeskirchenamt in Kassel gestellt.

Die Pfarrerin der Kirchengemeinde Wächtersbach Beate Rilke wird mit Wirkung vom 1. August zuständige Pfarrerin für Wittgenborn. In einem Festgottesdienst am 21. August werden die Fusion der Kirchengemeinden und die Einführung von Frau Rilke als Pfarrerin für Wittgenborn gefeiert.

                  

 

Einhundert Jahre evangelischer Kirchenchor Wächtersbach

Ein Beitrag aus den "Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach" des Heimat- und Geschichtsvereins Wächtersbach e.V. von Dr. Jürgen Ackermann

Im Jahre 1893 finden sich 49 sangesfreudige Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde zusammen und gründen am 3. Februar den „Evangelischen Kirchengesangverein Wächtersbach". Sie wählen als ihre Vorsitzenden die beiden Pfarrer Ernst Wiederhold und Hermann Römer und bestimmen Lehrer Johann Peter Schmidt zu ihrem Dirigenten.

Genehmigung der Königlich Preußischen Regierung in Cassel zur Benutzung des Schulzimmers der Oberklasse in der Stadtschule zu Wächtersbach als Übungsraum des evangelischen Kirchenchores aus 1896Zu den Übungsstunden trifft man sich zuerst im Wohnzimmer von Pfarrer Römer, der sein Piano zur Verfügung stellt. Doch als er zwei Jahre später nach Meerholz übersiedelt, müssen sich die Sängerinnen und Sänger nach einem neuen Lokal umschauen. Lehrer Schmidt lässt sie in seinem Klassenraum in der Stadtschule ein, den der Oberklasse. Aus den eigenen Reihen kommen 150 Mark für ein Klavier zusammen. Das so freudig Begonnene kann fortgesetzt werden.

Im Februar 1898 feiert der junge Verein sein fünfjähriges Stiftungsfest mit einer Abendunterhaltung und richtet im gleichen Jahr das Gustav-Adolf-Fest in der hiesigen Kirche aus. 1899 nimmt der Chor an den Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der Gemeinde Waldensberg teil und 1902 am Jahresfest des Vereins der evangelischen Kirchenchöre/Bezirk Cassel in Gelnhausen und wird Mitglied dieses Verbandes. Zusammen mit den Sängern des Vereins „Eintracht" veranstaltet Kantor Schmidt eine Aufführung zugunsten der „Abgebrannten zu Brotterode". Das Weihnachtskonzert im Jahre 1902 erbringt aus Eintrittsgeldern zu 10 Pfennigen und einer Kollekte 81 Mark 10 Pfennige. Es können davon u. a. Chorbücher zu 2 Mark beschafft und dem Kirchendiener Kolb 3 Mark, dem Bälgetreter Weisgerber 1 Mark, dem ehrenamtlich tätigen Dirigenten Schmidt ein Weihnachtsgeschenk von 30 Mark bewilligt und gegeben werden.

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Geschichte der Evangelischen Kirche in Wächtersbach

Ein Beitrag aus den "Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach" des Heimat- und Geschichtsvereins Wächtersbach e.V. von Dr. Jürgen Ackermann

Geschichte des Kirchspiels Wächtersbach

Ev. Kirche Wächtersbach, Ansicht von SüdenIm Jahre 1354 errichteten Konrad von Trimberg und seine Frau Elisabeth eine Kapelle in Wäch-tersbach, die gemäß einem Indulgenzbrief des Papstes Innocenz VI. der heiligen Maria geweiht wurde. Die Familie von Trimberg – der gleichnamige Sohn Conradus junior de Trimberg bestätigte die Schenkung – besaß zu dieser Zeit die Hälfte von Burg und Dorf Wächtersbach. Sie statteten die neuerrichtete capellam in Wechtirspach mit zahlreichen Einkünften aus: dem Zehnten in nova nostra villa dictus Wilers (in unserem neuen Dorf genannt Weilers), dem vierten Teil des Zehnten in Wächtersbach, 12 Morgen Acker bei Wächtersbach genannt Springes Acker, Hebpelen Rode, am Hener Weg oder Ubenawer Weg, zusätzlich Wiesen an der Kintzge gelegen, am Gelczculichters Rod, in der Auwe, die Culmans Royd genannt wird – dem heute noch bestehenden Pfarrgut –, und einem Weinberg in Nusesse (Neuses) und einem in Bernbach, Äckern in Sonneborn (Somborn), einem Haus in der Smydegasse in Geylnhusen bei der Pforte (in der Schmidtgasse in Gelnhausen), die zuvor dem Pleban (Leutepriester) von Somborn zustanden. Die Besetzung der Kaplanstelle an der neuen Kapelle in Wächtersbach behielt sich das fromme Adelsge-schlecht der Trimberger vor. Und bis heute steht das Patronatsrecht an dieser Kirche den Fürsten zu Ysenburg und Büdingen zu, die in der Erbfolge Nachfolger der Trimberger sind. Auf Antrag des Herren Dieter von Ysenburg aus dem neuen Burgherrengeschlecht, das Wächtersbach 1404 zur Stadt erhob, und der Einwohner von Wächtersbach wurde am 28.4.1435 die Kapelle von ihrer Mutterkirche in Aufenau getrennt. Man begründete dies mit den im Kinzigtal häufigen Überschwemmungen. Der Wunsch nach Selbständigkeit leitete sich aber wohl mehr aus dem Herrschaftsanspruch der Ysenburger und dem Freiheitsgeist der jungen, aufstrebenden Stadt her. Im Jahre 1464 bestätigte Erzbischof Adolf von Mainz endgültig die beste-hende Trennung von der Pfarrei Aufenau. Nach Einführung der Reformation wurde Wächtersbach zunächst lutherisch, nach 1610 reformiert und 1818 trat die Kirchengemeinde der Hanauer Union bei, einem Zusammenschluß der beiden Richtungen. Mit der Gründung der kirchlichen Lateinschule (1703) erhielt das hiesige Kirchspiel eine zweite Pfarrstelle. Der zweite Pfarrer fungierte gleichzeitig als Rektor der Schule.

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